Adaptives Lernen:

Definition, Potzenzial & praktische Umsetzung

08. Mai 2025 | 4 Minuten Lesezeit

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Friedl Wynants
Gründer & Geschäftsführer

Zusammenfassung des Artikels

Adaptives Lernen passt Lerninhalte automatisch an individuelle Bedürfnisse an. 71% der Bildungsexperten bewerten es laut mmb Trendmonitor 2024/2025 als Top-Lerntechnologie, doch Datenschutz und hohe Systemkosten erschweren die Umsetzung. Die Lösung: Mit pragmatischen Ansätzen wie der „Fast-Track-Methode“ können Unternehmen sofort starten und wertvolle Arbeitsstunden jährlich einsparen.

mmb Trendmonitor 2024/2025: Adaptives Lernen führt Expertenranking an

Bereits zum 19. Mal gibt der mmb-Trendmonitor Einblicke in die Zukunft des digitalen Lernens. In der aktuellen Ausgabe 2024/2025 wurden 71 Bildungsexpertinnen und -experten aus dem deutschsprachigen Raum befragt. Die Studie zeigt deutlich: Künstliche Intelligenz wird die Entwicklung von Lerntechnologien maßgeblich prägen. Generative KI gewinnt nach Einschätzung der Befragten rasant an strategischer Relevanz.

Eine kleine Überraschung stellt für mich das Ranking der wirtschaftlich vielversprechendsten Lernanwendungen dar. Erstmals liegt „Adaptive Learning“ mit 71 Prozent Zustimmung (Vorjahr: 56 Prozent) an der Spitze, dicht gefolgt von „Chatbots/Lernassistenten“ mit 66 Prozent. Die Expertinnen und Experten sind sich also einig: KI-gestütztes, personalisiertes Lernen wird die Zukunft dominieren.

Was ist adaptives Lernen? Definition und Abgrenzung zu anderen Lernformen

Es mag spitzfindig klingen, aber in meinen Augen ist Adaptives Lernen keine Lernform, die sich sinnvoll neben Video-Tutorials, Learning Nuggets oder Chatbots einreiht, wie es in der Studie dargestellt wird. Es ist vielmehr eine Grundausrichtung, fast schon ein Mindset.

Warum halte ich die Einordnung neben konkreten Tools für wenig sinnvoll? Ganz einfach: Ein Chatbot zum Beispiel ist bereits adaptiv. Er sollte schließlich in der Lage sein, auf das Vorwissen, die Interessen und die persönlichen Vorlieben des Lernenden einzugehen. Genauso lässt sich adaptives Lernen mit Lernformaten wie “Learning Nuggets” umsetzen, die in der Studie ebenfalls als alternative Lernform genannt werden. Und genau hier beginnt für mich das „Problem“: Unter adaptivem Lernen versteht jeder etwas anderes, meist seine persönliche Idealvorstellung vom Lernen.

Lassen Sie uns eine Definition wagen: Aus meiner Sicht bedeutet “adaptives Lernen”, dass das Lernangebot auf persönliche, individuelle Eigenschaften des Lernenden reagiert bzw. sich auf Basis solcher Eigenschaften automatisiert anpasst.

Der Grundgedanke, dass dank KI jede und jeder Lernende einen individualisierten Lernpfad haben kann, ist natürlich großartig. Die Umsetzung hat aber technische Haken: Zum einen braucht es Daten, Daten, Daten – denn adaptives Lernen kann nur auf Basis einer Vielzahl von persönlichen Daten zum Lernenden funktionieren. Zum anderen braucht es spezialisierte Plattformen, die eine Adaptivität umsetzen können. Genau hier liegen die praktischen Herausforderungen.

Die praktischen Herausforderungen

Der Wunsch nach adaptiven Lernlösungen ist nachvollziehbar, aber die Umsetzung wird in den Unternehmen unterschiedlich schnell erfolgen. Größere Unternehmen, die über ein entsprechendes Budget und interne Ressourcen verfügen, werden diesen Wandel schneller vollziehen können.

Datenschutz-Hürden: Betriebsrat sagt „nein“

Eine zentrale Herausforderung für alle Unternehmen wird der Datenschutz sein – gerade wenn es darum geht, Daten in dem Umfang zu sammeln, wie es für adaptives Lernen notwendig ist. Schon heute sind Diskussionen mit dem Betriebsrat an der Tagesordnung, wenn im Rahmen eines WBTs vergleichsweise wenige Daten erhoben werden sollen, oder wenn gar bei der Nutzung des xAPI-Formats noch etwas mehr Daten anfallen: Von hochindividualisierten Profilen der Lernenden ist man hier aber noch weit entfernt.

Eine Spirale in der viele schwarze, runde Flächen zu sehen sind. Auf den runden Flächen steht jeweils

Technische Hürden: Datenmenge und spezialisierte Plattformen

Für kleine und mittlere Unternehmen werden es neben den Mindestmengen an Daten, die man für adaptives Lernen benötigt, vor allem die Notwendigkeit von spezialisierten Systemen sein, die eine Hürde darstellt. Hinzu kommt, dass es sauber definierte Skillprofile braucht, um adaptives Lernen sinnvoll einzuführen – auch solche sind nicht „mal eben“ erstellt.

Bei allen Vorteilen, die adaptives Lernen bringen wird: Aktuell halte ich es für ein Buzzword, das – sicher nicht zu unrecht! – als große Innovation im Corporate Learning gesehen wird, das aber (noch) maximal unscharf definiert ist.

Mir ist wichtig, in diesem Zusammenhang ehrlich für die Herausforderungen zu sensibilisieren, gleichzeitig aber pragmatisch zu überlegen, wie wir die PS auf die Straße bringen können, denn das Potenzial ist unbestritten.

Fast-Track-Methode: So starten Sie schon heute mit adaptivem Lernen

Man kann bei Adaptivität durchaus klein anfangen. Ein Beispiel aus unserer Praxis: Die Fast-Track-Methode bei Pflichtschulungen. Vor einem Training oder vor jedem Kapitel gibt es eine kleine, gut gemachte Abfrage zu bestimmten Aspekten. Diese entscheidet dann, ob der Lernende wirklich nochmal den ganzen Inhalt durchlaufen muss oder ob sie/er das Kapitel oder Teile davon überspringen kann.

Bild einer Straße in einer Großstadt. Vorne ist das Wort

Was bringt das? Erstens fördert es die Akzeptanz bei den Lernenden, weil sie nicht nach dem Prinzip „One Size Fits All“ alles wiederholen müssen, egal auf welchem Niveau sie sind. Und zweitens spart es – je nach Unternehmensgröße – gerade bei unternehmensweiten Pflichtschulungen Tausende von Arbeitsstunden.

Praxisbeispiel: 20.000 gesparte Arbeitsstunden durch Fast-Track

Einer unserer Kunden, ein deutscher Automobilhersteller hat ermittelt, dass er allein durch unsere Fast-Track-Methode bis zu 20.000 Arbeitsstunden im Jahr einsparen kann. Dieses Beispiel soll zeigen, dass wir adaptives Lernen auch als Mindset verstehen können, das zu kreativen Lösungen bei Learning Professionals führt.

Fazit: Evolution statt Revolution – der schrittweise Weg zu adaptivem Corporate Learning

Die Zukunft gehört zweifellos dem adaptiven Lernen - darin stimme ich mit den befragten Experten überein. Allerdings sehe ich den Weg dorthin eher als eine schrittweise Evolution, als eine plötzliche Revolution. Während – wie so oft bei technologischen Innovationen im Corporate Learning – große Unternehmen eine Vorreiterrolle einnehmen werden, können auch kleinere Organisationen mit pragmatischen Ansätzen schon heute von adaptiven Elementen profitieren.

Entscheidend ist für mich, adaptives Lernen nicht als ein einzelnes Tool oder Format zu betrachten, sondern als ein Grundkonzept, das in unterschiedlichen Ausprägungen umgesetzt werden kann. Auf diese Weise wird der Wandel hin zu personalisiertem Lernen für alle Unternehmensgrößen möglich - wenn auch nicht sofort und nicht im gleichen Tempo.

Den mmb-Trendmonitor 2024/205 können Sie sich hier runterladen.

Kreisbild von Friedl Wynants

Friedl Wynants

Über den Autor

  • Gründer & Geschäftsführer von youknow
  • Wirtschaftspsychologe B. Sc.
  • Seit 2024 Moderator seines Podcasts „nah, neugierig & Negroni

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